Desinfektionsmittel

Einteilung und Wirkung der Desinfektionsmittel: ein Ratgeber


Desinfektionsmittel-Wiki

Die Öffentlichkeit diskutiert über die Sinnhaftigkeit der Desinfektionsmittel ähnlich kontrovers wie über die Verschreibung von Antibiotika, denn die Resistenzbildung der Bakterien ist auch in diesem Sektor deutlich nachzuweisen. Was sind Desinfektionsmittel genau? Was ist ein Bakterizid, was ein Viruzid? Wie unterscheiden sie sich und auf welche Weise sorgen Desinfektionsmittel für keimfreie Oberflächen und Hände oder sterile Arbeitsgeräte?

 

Was ist ein Desinfektionsmittel genau?

Die Gesamtheit der Desinfektionsmittel kann als Substanz bezeichnet werden, die durch ihre chemischen Eigenschaften mikrobizid wirken. Das bedeutet, sie inaktivieren bzw. töten Mikroorganismen ab, die Krankheiten und/oder Infektionen hervorrufen. Im Gegensatz zur Sterilisation werden nicht sämtliche mikrobiologischen Organismen eliminiert, sondern eine bestimmte Variante von Keimen reduziert. Der Sinn dahinter sind etliche Bakterienstämme, die für den Menschen lebensnotwendig bzw. nicht pathogen (also nicht krankheitserregend) sind. Die Infektionsgefahr von Mikroorganismen ist an eine spezifische Populationsdichte gebunden. Erst wenn eine Untergrenze von Krankheitserregern erreicht ist, wird es für den Menschen gefährlich. Desinfektionsmittel sollen folgende Anforderungen erfüllen:

  • Sie sollen die Anzahl der Keime schnell und umfassend reduzieren.
  • Desinfektionsmittel müssen eine ausreichende Eindringtiefe erreichen.
  • Die Wirkungsbeständigkeit gegenüber organischem Material muss gegeben sein.
  • Desinfektionsmittel sollten nur gering systemisch toxisch (nicht auf den gesamten Organismus) wirken,
  • Die Verträglichkeit gegenüber Haut, Schleimhaut und offenen Wunden muss gewährleistet sein.
  • Das Desinfektionsmittel muss lange haltbar sein und gleichzeitig biologisch abbaubar sein.
  • Letztendlich sollte die Geruchsbelastung im medizinischen Bereich gering gehalten werden.

 Desinfektionsmittel töten spezifisch diejenigen Mikroorganismen ab, gegen die sie eingesetzt werden. Dabei dürfen sie keine Wirkstoffe enthalten, die das umgebende organische Material schädigen oder verändern. Wird bei einer Operation ein Desinfektionsmittel in die Wunde gegeben, darf es weder die intakte noch die offene Haut oder das darunterliegende Gewebe beeinträchtigen.

Wie wirken Desinfektionsmittel

Desinfektionsmittel wirken denaturierend, d.h. sie verändern die eiweißhaltigen Strukturen der Mikroorganismen und zerstören sie somit. Einige Desinfektionsmittel schädigen zusätzlich die Lipidmembranen (z. B. die Hülle der Viren) oder die Nukleinsäuren der Keime. Neben dem spezifischen Wirkstoff verfügen Desinfektionsmittel über sogenannte Hilfsstoffe, die dafür sorgen, dass der Wirkstoff an den Wirkungsort gelangen kann. Anhand der Wirkungsweisen lassen sich Desinfektionsmittel in nachfolgende Kategorien einteilen:

  • Proteindenaturierung
  • Oxidation
  • Senkung der Oberflächenspannung
  • Enzymhemmunge
  • Veränderung der Nukleinsäuren

Jede Wirkung der Desinfektionsmittel wird durch spezifische Inhaltsstoffe ausgelöst, wobei unter Umständen mehrere Kombinationen verwendet werden. Die Proteindenaturierung wird beispielsweise durch Desinfektionsmittel erreicht, die Aldehyde oder Alkohole enthalten - egal ob es sich um ein basisches oder saures Medium handelt. Sollen Mikroorganismen oxidiert werden, spaltet unter anderem Wasserstoffperoxid die Elektronen der Keime ab. Die Anfälligkeit der Krankheitserreger wird durch das Herabsetzen der Oberflächenspannung erreicht, wofür dem Desinfektionsmittel z. B. Phenole beigemengt werden. Zur Zeit der Syphilis wurden vermehrt Desinfektionsmittel mit Schwermetallverbindungen eingesetzt, um die Enzyme der Erreger zu hemmen. Die letzte große Gruppe der Desinfektionsmittel beinhaltet Persäuren (Peroxydcarbonsäuren) und verändert somit den Aufbau der Nukleinsäuren, im Prinzip wirken sie dabei wie ein Oxidationsmittel.

Überblick der einzelnen Inhaltsstoffe der Desinfektionsmittel

Die exakte Definition der einzelnen Wirk- und Hilfsstoffe ist eine biochemische Wissenschaft für sich. Dieser Überblick soll lediglich die Grundlagen liefern, um die Differenzierung der Desinfektionsmittel nachvollziehen zu können.Phenole wirken gegen Bakterien und Pilze gegen Myoorganismen lediglich in stark dosierter Konzentration. Phenole werden überwiegend zur Flächendesinfektion eingesetzt. Alkohole sind multitoxisch einsetzbar. Sie denaturieren Proteine von Bakterien, Viren und Pilzen. Dieses schnell wirksame Desinfektionsmittel muss allerdings mit Wasser verdünnt bzw. das Desinfektionsgut muss während der gesamten Einwirkzeit nass gehalten werden. Aldehyde z. B. Formaldehyd wäre ein ideales Desinfektionsmittel, da es auch in gasförmigen Zustand wirkt und somit sowohl große Flächen bedampft werden können, wie auch feingliedrige Geräte. Die Abspaltung der Kohlen- und Wasserstoffatome (Veränderung der Nukleinsäuren) ist jedoch von äußeren Einflüssen stark abhängig. Ferner ist die lange Einwirkzeit von sechs Stunden und der stechende Geruch des Gases zu bemängeln. Tenside setzen die Oberflächenspannung herab. In Waschmitteln sorgen sie dafür, dass sich Wasser und Öle verbinden, beim Desinfektionsmittel sind sie klassische Hilfsstoffe, um die Wirkstoffe in den zu bekämpfenden Erregern zu transportieren. Kationenaktive Substanzen wirken in niedriger Konzentration wachstumshemmend. In höherem Mischverhältnis oder bei längerer Einwirkzeit töten sie die Mikroorganismen ab. Charakterisiert werden kationenaktive Substanzen durch eine positive, wasserlösliche Gruppe, was sie in die Lage versetzt, den Mikroorganismen Elektronen abzuspalten – Stichwort Oxidation. Amphotere Substanzen besitzen sowohl elektronenpositiv wie auch elektronennegativ geladene Teilchen. Die Wirkung der amphoteren Substanzen ist somit bei sämtlichen pH-Werten gleichermaßen effektiv. Durch die gute Hautverträglichkeit werden sie insbesondere bei der hygienischen Händedesinfektion verwendet. Halogene wie Chlor, Jod oder Fluor besetzen auf dem Periodensystem die vorletzte Schale und sind daher äußerst bestrebt, die letzte Schale zur Edelgaskonfiguration durch eine Elektronenaufnahme zu erklimmen. Die Desinfektionsmittel sind in hoher Konzentration nicht nur für Bakterien toxisch und sollten daher mit Vorsicht verwendet werden.

  • Chlor- und Chlorverbindungen oxidieren insbesondere SH-Gruppen der Proteine. Chlor wird beispielsweise in der Trinkwasserentkeimung eingesetzt, wobei sogenannte Hypochlorite entstehen. Diese wirken ebenfalls mikrotoxisch und werden zur Grobdesinfektion eingesetzt.
  • Iod ist schlecht wasserlöslich und wird deshalb in Verbindung mit Kaliumiodid als Kaliumtinktur eingesetzt. Da Iod als Desinfektionsmittel in einigen Fällen allergische Reaktionen hervorruft, wird es mittlerweile überwiegend zur Behandlung von medizinischen Geräten und Instrumenten verwendet.

Metalle und Metallsalze wie Cadmium, Silber, Kupfer und Quecksilber haben eine mikrobiozide Wirkung, die als Oligodynamie bekannt ist. Die freigesetzten Metallione blockieren die Proteine der Mikroorganismen und töten sie dadurch ab. Ein typisches Anwendungsbeispiel ist die Abdeckung offener Wunden mit einer Silberfolie. Oxidantien oder auch Oxidationsmittel genannt übertragen Sauerstoff auf andere Substanzen bzw. Bakterien, Viren & Co, die dadurch verändert werden. Die Wirkungsweise als Desinfektionsmittel ist mit den Halogenen vergleichbar:

  • Ozon ist in wässriger Lösung und bei hoher Luftfeuchtigkeit gegen sämtliche Bakterien, Viren, Pilze und sogar gegen Sporen wirksam. In trockener Luft hat es dagegen keinerlei Einfluss auf die Keimreduzierung.
  • Peroxide werden als 30-prozentige Lösung in der Medizin verwendet. Da es durch Peroxidasen (die zahlreich in der Haut vorhanden sind) ohne vorherige Wirkung zerfällt, wird es maßgeblich durch alkoholhaltige Desinfektionsmittel ersetzt.
  • Persäuren wirken in starker Konzentration ätzend und sind daher für die patientennahe Desinfektion nicht geeignet. Sie werden überwiegend in der Raum- und Flächendesinfektion eingesetzt.
  • Säuren und Laugen zerstören zwar Mikroorganismen, schädigen dabei aber in der Regel auch das Desinfektionsgut. Starke Salzsäuren oder Natronlaugen werden daher nicht als Desinfektionsmittel eingesetzt. Durch spezielle Vorbereitungen können aber organische Säuren wie die Milchsäure zur Desinfektion von Dialysegeräten und Mundduschen oder zur Ergänzung anderer Desinfektionsmittel verwendet werden.

Welche Arten von Desinfektionsmittel gibt es?

Neben den Inhaltsstoffen und Wirkungsweisen haben sich verschiedene Methoden durchgesetzt, wie Desinfektionsmittel zusammengefasst werden. Zum einen kann das Einsatzgebiet des Desinfektionsmittels als Gruppierungsmerkmal verwendet werden, zum anderen der Mikroorganismus, gegen den es eingesetzt werden soll.

Einteilung der Desinfektionsmittel nach Einsatzgebiet

Die Liste der Einsatzmöglichkeiten für Desinfektionsmittel ist lang. Im klinischen Alltag werden hauptsächlich vier verschiedene Bereiche unterschieden:

Hautdesinfektionsmittel

Bei der Hautdesinfektion sollen sowohl ständig vorhandene Keime wie auch Anflugkeime behandelt werden. Die sogenannten residenten und transienten Keime stellen bei intakter Haut kein Problem dar. Gelangen sie bei invasiven Maßnahmen in den Körper des Patienten, können sie sich ohne vorherige Behandlung mit Desinfektionsmittel dagegen nahezu ungehindert ausbreiten. Die Einwirkzeit der Desinfektionsmittel hängt sowohl von dem verwendeten Wirkstoff wie auch von der Beschaffenheit der Haut ab. Desinfektionsmittel, die für den direkten Hautkontakt gedacht sind, enthalten meist Alkohole wie Ethanol oder Propanol.

Oberflächendesinfektionsmittel

Die Oberflächendesinfektion ist ein fester Bestandteil im Desinfektionsplan und wird sowohl routinemäßig wie auch bei besonderen Vorkommnissen durchgeführt. Die Böden in Patientenzimmern werden nach Entlassung des Patienten beispielsweise routinemäßig desinfiziert. Kommt selbiger Boden mit organischem Material (Kot, Blut, Erbrochenes, etc.) in Berührung, wird eine außerplanmäßige Flächendesinfektion durchgeführt. Hierfür eignen sich insbesondere Desinfektionsmittel, die Aldehyde, Chloramine, kationenaktive Substanzen oder Perverbindungen beinhalten.

Instrumentendesinfektionsmittel

Bei der Instrumentendesinfektion ist es wichtig, dass das Desinfektionsmittel auch kleinste Vertiefungen und Bohrungen erreicht. Es sollte folglich gut wasserlöslich sein und schnell trocknen bzw. über eine kurze Einwirkungszeit verfügen. In der Regel werden hierfür ebenfalls Desinfektionsmittel mit kationenaktiven Substanzen verwendet oder es werden diverse Halogene eingesetzt.
 

Trinkwasserdesinfektionsmittel

 Die Trinkwasserdesinfektion ist verständlicherweise ein bedeutender Faktor in Kliniken und Pflegeheimen. Nach der Entkeimung dürfen weder pathogene Keime in dem Trinkwasser verbleiben noch irgendwelche Rückstände, die durch das Desinfektionsmittel verursacht wurden. In Deutschland sind oxidative Wirkstoffe wie Calciumhypo- und Natriumchlorid, Chlordioxid, Chlor und Ozon erlaubt.
 

Einteilung der Desinfektionsmittel nach Zielorganismen

Die Namensgebung der Desinfektionsmittel bei der Einteilung nach Zielorganismen gibt gleichzeitig Auskunft darüber, gegen welche Mikroorganismen sie wirken sollen. Die unterschiedlichen Desinfektionsmittel werden im Hygienebereich in folgende Rubriken unterteilt:
  • Ein sehr geläufiges Bakterizid ist das Antibiotikum. Durch den Einsatz eines Bakterizid werden Bakterien derart geschädigt, dass der Zelltod ausgelöst wird.
  • Das Viruzid ist ein Desinfektionsmittel gegen Viren. Größtenteils werden die Nukleinsäuren der Viren irreversibel geschädigt, wodurch der Mikroorganismus deaktiviert bzw. komplett abgetötet wird.
  • Fungizid bedeutet „pilztötend“. In der medikamentösen Behandlung werden sie auch als Antimykotika (Mykose ist der Pilzbefall) bezeichnet. Fungizide Desinfektionsmittel wirken teilweise lediglich gegen vorhandene Pilzkulturen (z. B. Alkohole), sind gegen die abgelegten Sporen jedoch machtlos.
  • Dieses Defizit wird von einem Sporizid aufgehoben. Chlordioxid ist beispielsweise ein schnell wirkendes Sporizid und wird bei der Behandlung von Oberflächen, Instrumenten und Trinkwasser verwendet. Um die Haut oder Schleimhaut von Sporen zu befreien, weicht man auf das besser verträgliche Wasserstoffperoxid aus.
  • Als Leuvurozid wird ein Fungizid bezeichnet, das auch gegen Hefepilze erfolgreich eingesetzt werden kann.
  • Virostatische und fungistatische Desinfektionsmittel: hemmen die Vermehrung von Viren bzw. Bakterien, töten sie aber nicht ab.
Die meisten Desinfektionsmittel wirken multitoxisch. Das heißt, sie können gegen mehrere Arten von Krankheitserregern eingesetzt werden. Peressigsäure, Natriumhypochlorid, Formaldehyd oder Ethylenoxidin erzielen beispielsweise effiziente Ergebnisse als Bakterizid, Sporizid, Fungizid und Viruzid. Welches Desinfektionsmittel bei gleicher Wirksamkeit ausgewählt wird, entscheidet das Einsatzgebiet, in dem der Wirkstoff eingebracht werden soll.
 

RKI, VAH und IHO

Das RKI (Robert-Koch-Institut) ist entscheidend an der Bundesgesundheitsbildung beteiligt. Insbesondere in Sachen Hygiene und Desinfektionsmittel gibt es etliche Empfehlungen, Weisungen und Listen, die im Infektionsschutz von vordergründiger Bedeutung sind. Die Liste der vom RKI geprüften und anerkannten Desinfektionsmittel- und Verfahren kann unter diesem Link eingesehen werden. Das RKI differenziert die Wirksamkeit der Desinfektionsmittel neben der Zielgruppe Bakterizid (B), Fungizid (F), Sporizid (S), behüllte Viren (bV) und unbehüllte Viren (UV) anhand der Stärke:
  • A: zur Abtötung von vegetativen Bakterien, Myobakterien, Pilzen und Pilzsporen
  • B: zur Inaktivierung von Viren
  • C: zur Abtötung von Sporen des Milzbranderregers
  • D: zur Abtötung der Sporen des Erregers von Gasödem und Wundstarrkrampf
Der VAH (Verbund für angewandte Hygiene) hat ebenfalls eine Desinfektionsmittel-Liste herausgegeben, die sich insbesondere mit der prophylaktischen Desinfektion in allen öffentlichen Anstalten und Privathaushalten beschäftigt. Man kann die Liste des VAH hier bestellen. Sie beinhaltet sämtliche zertifizierten Desinfektionsmittel unter Angabe des Wirkstoffes, Einwirkungszeiten, Konzentrationen und allgemeinen Informationen. Sämtliche Desinfektionsmittel der VAH-Liste sind bakterizid und levurozid. Die fungizide, myobakterizide und tuberkulozide Wirkung wird, falls vorhanden, ebenfalls ausgewiesen. Besitzt das Desinfektionsmittel ein gültiges Zertifikat der Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung von Viruskrankheiten, finden Sie darüber in der VAH-Liste ebenfalls einen Hinweis. Im Allgemeinen ist das teilweise begrenzt wirkende Viruzid durch eine Kompatibilitätsprüfung nachgewiesen und wird erwähnt, sofern der Hersteller sein Einverständnis gegeben hat.
Hinter der Abkürzung IHO verbirgt sich der letzte Verband, den Sie als Fachmann bzw. Fachfrau für Desinfektionsmittel kennen sollten. Der Industrieverband Hygiene und Oberflächenschutz veröffentlicht für Anwenderinnen und Anwender zwei kostenlose Listen im Internet. Hierbei handelt es sich um die Viruzidieliste (www.viruzidieliste.de) für den Bereich Gesundheitswesen sowie die Desinfektionsmittelliste (www.desinfektionsmittelliste.de) für die Bereiche Lebensmittelherstellung und -verarbeitung sowie Tierhaltung. Beide Listen geben Auskunft über Wirksamkeiten von Desinfektionsmitteln gemäß europäischer und deutscher Normen und Methoden. Zusammen bieten die Onlinelisten dank Suchfeld und Sortierfunktionen einen schnellen Überblick über mehr als 1.000 Produkte.
Unsere Desinfektionsmittel sind VAH gelistet.
 
Mögliche Gefahren beim Einsatz der Desinfektionsmittel
"Viel hilft viel" trifft beim Desinfektionsmittel leider nicht zu, da die unsachgemäße Anwendung durchaus zu Resistenzen der zu bekämpfenden Mikroorganismen führen kann. Im Hygiene- oder Desinfektionsplan sind die Maßnahmen exakt aufgelistet; wann beispielsweise das Bakterizid zum Einsatz kommen darf. Wenn lediglich mit einer fungiziden Verunreinigung zu rechnen ist, muss kein Bakterizid verwendet werden, dafür gibt es schließlich das Viruzid. Seit geraumer Zeit wird auch das übermäßige Waschen der Hände vor der Desinfektion als kritisch angesehen, da durch die Seife der natürliche Schutzfilm der Haut reduziert wird und das Desinfektionsmittel in überschwänglicher Anwendung zu Irritationen und Beschwerden führen kann. Ein fachkundiger Umgang mit dem Desinfektionsmittel auf der Haut dagegen schädigt die Haut nicht nachhaltig. Im Hygieneprogramm von Kliniken tritt nach erfolgtem Eingriff die Pflege mit Cremes in den Vordergrund, um die Haut zusätzlich zu entlasten und bei der Regeneration zu unterstützen. Als letzte Problematik unsachgemäßen Umgangs ist die Gefährdung der Umwelt und des Personals zu nennen. Einige Desinfektionsmittel entwickeln insbesondere in Kombination mit anderen Chemikalien unangenehm riechende und gesundheitsgefährliche Gase. Kommt ein biologisch nicht abbaubares Desinfektionsmittel in den Abwasserkreislauf, kann es das Zusammenspiel von Bakterien stören und somit die Reinigung des Abwassers unterbinden.

Vom Flächendesinfektionsmittel bis zur Flächendesinfektion: eine Einleitung

Neben der Händedesinfektion ist die Durchführung der Flächendesinfektion eine der wichtigsten Maßnahmen in hygienisch sensiblen Bereichen, um die Übertragung von Krankheitserregern einzudämmen. Verschiedene Flächendesinfektionsmittel werden benutzt, um unterschiedliche Bereiche zu desinfizieren und werden auf spezifische Weise aufgetragen. 
Die RKI Empfehlung Flächendesinfektion ist eine Anleitung zur Flächendesinfektion: wie, wann, welcher Sektor zu desinfizieren ist und wann er unter hygienischen Aspekten wieder benutzt werden kann.

Was versteht man unter Flächendesinfektion?

Bevor Sie sich über die Anleitung zur Flächendesinfektion informieren, sollten Sie sich verinnerlichen, dass ein grundsätzlicher Unterschied zwischen einer desinfizierenden Reinigung und einer angeordneten Desinfektion nach §18 Infektionsschutzgesetz besteht. Die Annahme, dass Flächendesinfektionsmittel an Wirksamkeit einbüßen, wenn sie routinemäßig eingesetzt werden, wird auch in Fachkreisen lebhaft diskutiert. Fest steht, dass insbesondere der Übertragung antibiotikaresistenter Bakterien ausschließlich durch regelmäßige Flächendesinfektion nach Anleitung effektiv begegnet werden kann. Unter der Reinigung werden Maßnahmen zusammengefasst, die der Beseitigung von Verschmutzungen und Mikroorganismen dienen. Verwendet wird dabei lediglich Wasser mit reinigungsverstärkenden Zusätzen (Putzmittel), die jedoch nicht das vordergründige Ziel verfolgen, Mikroorganismen abzutöten bzw. zu inaktivieren. Die Desinfektion soll dagegen die Anzahl der vermehrungsfähigen Mikroorganismen durch Abtötung bzw. Inaktivierung reduzieren. Bei richtiger Durchführung der Flächendesinfektion soll ein möglichst keimfreier Zustand der desinfizierten Bereiche hergestellt werden. Die routinemäßige Flächendesinfektion nach Anleitung wird prophylaktisch eingesetzt, sobald von einer standortbedingten Besiedelung auszugehen ist. Die desinfizierende Reinigung ist die Kombination obiger Verfahren. An eine gründliche Reinigung schließt sich die Behandlung mit Flächendesinfektionsmittel unmittelbar an, wodurch eine tatsächliche Kontamination beseitigt wird. Die Durchführung der Flächendesinfektion mit vorangehender Reinigung wird ferner als Schlussdesinfektion, in Ausbruchssituationen oder beim Auftreten spezieller Erreger absolviert. Welche Maßnahme wann und wo stattfindet, kann dem Desinfektionsplan entnommen werden. Die Durchführung der Flächendesinfektion findet pauschal gesagt insbesondere in patientennahen Bereichen und jenen mit vermehrtem Hautkontakt statt. Für diese Risikobereiche werden geeignete Flächendesinfektionsmittel eingesetzt, die ebenfalls dem Hygieneplan zu entnehmen sind. Die "RKI Empfehlung Flächendesinfektion" ist die gültige Richtlinie der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention des Robert-Koch-Instituts (RKI). Hierin werden Risikobereiche in fünf Kategorien unterteilt:

  • Bereiche ohne Infektionsrisiko z. B. Treppenhaus, Verwaltung
  • Bereiche mit möglichem Infektionsrisiko z. B. Allgemeinstation, Sanitäreinrichtung
  • Bereiche mit besonderem Infektionsrisiko z. B. OP-Abteilungen, Eingriffsräume
  • Bereiche mit Patienten, die Erreger so in sich tragen, dass im Einzelfall die Gefahr einer Weiterverbreitung besteht, z. B. Isolierbereiche, spezielle Funktionsbereiche
  • Bereiche, in denen auch für das Personal ein Infektionsrisiko besteht z. B. mikrobiologische Labors, Wäschereien

 

Diese Flächen sollten desinfiziert werden

Um die Durchführung der Flächendesinfektion auf Böden zu ermöglichen, sollten diese glatt, fugendicht und abwischbar sein. Textile Bodenbeläge haben in sensiblen hygienischen Bereichen nichts verloren. Ferner sind folgende Flächen nach vorgegebener Anleitung zur Flächendesinfektion zu behandeln:

  • Oberflächen mit häufigem Hautkontakt z. B. Türgriffe, Handläufe, Tastaturen
  • Patienten- und behandlungsnahe Flächen z. B. Behandlungsstuhl, Liege, Bettgestell
  • gemeinsam genutzte Sanitäreinrichtungen z. B. Toiletten, Duschen, Waschbecken
  • Arbeitsflächen z. B. Verbandswagen, Flächen zur Medikamenten- oder Essensausgabe, Wickeltische
  • medizinische Geräte z. B. Monitore, Außenflächen mit häufigem Kontakt, Rollwagen
  • Fußböden in Risikobereichen z. B. in Zimmern von abwehrgeschwächten oder akut erkrankten Patienten und dort, wo invasive Eingriffe vorgenommen werden
  • alle Böden und Oberflächen, die mit Blut oder Ausscheidungen kontaminiert wurden

 

Muster eines Desinfektionsplans bzw. Hygieneplans

Um die Durchführung der Flächendesinfektion nachhaltig zu dokumentieren, wird in Kliniken ein Desinfektionsplan bzw. Hygieneplan erstellt. Er ist weniger eine Anleitung zur Flächendesinfektion, obwohl darin neben den Maßnahmen auch die Zeiten, die Flächendesinfektionsmittel und die beauftragten Mitarbeiter aufgeführt sind. Der Desinfektionsplan enthält alle durchzuführenden Maßnahmen, die im gesamten Klinikbereich, auf einzelnen Stationen oder für besonders sensible Bereiche im Sinne des hygienischen Infektionsschutzes zu leisten sind. Er könnte zum Beispiel wie folgt aussehen:

“...“Vor Punktionen von Körperhöhlen, Gelenken und Hohlorganentalgdrüsenarme Haut: mindestens 1 Minute talgdrüsenreiche Haut: mindestens 10 Minuten, Haut über die gesamte Zeit mit Desinfektionsmittel feucht halten“...“Ärzte

Was

Wann

Wie

Womit

Wer

hygienische Händedesinfektion

Vor der Diagnose bzw. vor der Therapie, nach Kontamination und Abgabe der Schutzhandschuhe

Mind. 2 Hübe Desinfektionsmittel in die trockenen Hände einreiben, vorgeschriebene Einwirkzeit (s. Spender) abwarten

Händedesinfektionsmittel

Ärzte, MFA

Hände waschen

Bei Arbeitsbeginn, nach Toilettengang und Verschmutzung, vor den Mahlzeiten

Waschlotion aufschäumen und anschließend mit Wasser abspülen. Hände mit Einmal-Handtüchern gründlich abtrocknen

Flüssigseife

Ärzte, MFA

Hautpflege

mehrmals täglich

in die Haut einmassieren

Creme aus Spender

Ärzte, MFA

Keimarme Einmal-Handschuhe

Bei Kontakt mit organischen Materialien (Blut, Sekrete, Ausscheidungen) oder kontaminierten Instrumenten und Flächen

Handschuhe in die vorgesehenen Behälter entsorgen, danach Hände desinfizieren

Einmalhandschuhe aus Spender

Ärzte, MFA

Hautdesinfektion

Vor Punktionen und Injektionen

Desinfektionsmittel mit satt getränktem Tupfer unter Berücksichtigung der Einwirkzeit aufbringen:talgdrüsenarme Haut: mindestens 15 Sekunden talgdrüsenreiche Haut: mindestens 1 Minute

Hautdesinfektionsmittel

Ärzte, MFA

Medizinprodukte unkritisch

nach jedem Gebrauch

Desinfektionsmittel mit gesättigtem Tupfer aufbringen, Desinfektionsmittel lufttrocknen lassen, nicht trocken wischen

Flächendesinfektionsmittel (möglichst als Konzentrat)

MFA

Instrumente semikritisch

nach jedem Gebrauch

Instrumente in Desinfektionsmittel versenken, sodass sie komplett bedeckt sind. Nach der Einwirkzeit reinigen, trocknen und pflegen

Industriedesinfektionsmittel

MFA

Instrumente kritisch

nach jedem Gebrauch

Instrumente in Desinfektionsmittel versenken, so dass sie komplett bedeckt sind. Nach der Einwirkzeit reinigen, trocknen, pflegen, verpacken und sterilisieren

Industriedesinfektionsmittel

MFA

Patientennahe Flächen

Nachdem der Patient das Behandlungsgerät verlassen hat und abends

Desinfektionsmittel mit gesättigtem Tupfer aufbringen, Desinfektionsmittel trocknen lassen, nicht trocken wischen

Flächendesinfektionsmittel

Ärzte, MFA

Patientenferne Flächen

Bei sichtbarer Kontamination und abends

Feuchtreinigung, grobe Kontamination unter Verwendung von Flächendesinfektionsmittel aufnehmen und anschließend Wischdesinfektion durchführen

Reinigungsmittel, Flächendesinfektionsmittel (NICHT vermengen)

MFA, Reinigungskraft

Die korrekte Durchführung der Flächendesinfektion

Als Grundregel für die korrekte Durchführung der Flächendesinfektion gelten folgende drei Stichpunkte in sämtlichen Risikobereichen gemäß der RKI Empfehlung Flächendesinfektion.

  • Die Herstellerhinweise für das Flächendesinfektionsmittel sind zu beachten.
  • Schutzhandschuhe schützen vor Infektionen und schonen die Haut insbesondere im Umgang mit Konzentraten.
  • Die Flächendesinfektion wird mit der korrekten Dosierung unter leichtem Druck beim Auftragen durchgeführt.

Die Anleitung zur Flächendesinfektion verweist auf einige Besonderheiten. Bei der Durchführung jeder Flächendesinfektion sind zunächst grobe Verschmutzungen und Kontaminationen mit organischen Materialien zu beseitigen. Dazu wird ein Einwegtuch mit dem Flächendesinfektionsmittel getränkt und nach der Desinfektion entsorgt. Die Anleitung zur Flächendesinfektion sieht im Lebensmittelbereich vor, dass die Arbeitsflächen nach der Desinfektion mit Trinkwasser nachgespült oder -gewischt werden. Jedes Flächendesinfektionsmittel hat eine spezifische Einwirkzeit, bis die Mikroorganismen bestmöglich unschädlich gemacht werden. Dieses Intervall ist vor dem Nachwischen im Lebensmittelbereich abzuwarten. Für die Wiederbenutzung der behandelten Flächen spielt die Einwirkzeit dagegen keine Rolle. Sobald die Boden- oder Arbeitsflächen sichtbar trocken sind, können sie wieder betreten bzw. benutzt werden. In einigen Fällen wird in der RKI Empfehlung Flächendesinfektion darauf hingewiesen, dass die Einwirkzeit des Flächendesinfektionsmittels aus Sicherheitsgründen dennoch abzuwarten ist. Die Anleitung zur Flächendesinfektion berücksichtigt hierbei folgende Fälle:

  • bei der gezielten Durchführung der Flächendesinfektion nach Kontamination (z. B. mit organischen Materialien)
  • beim Einsatz von Flächendesinfektionsmittel zur Aufbereitung medizinischer Geräte
  • im Sanitärbereich vor allem bei Badewannen (da die Flächendesinfektion durch das Einlaufen des Badewassers beendet wird)
  • vor dem Nachwischen im Lebensmittelbereich, sobald Flächendesinfektionsmittel verwendet wurden
  • bei der Flächendesinfektion nach Anleitung in Risikobereichen (z. B. OP-Säle)
  • zur Durchführung der Flächendesinfektion im Seuchenfall
  • bei der Schlussdesinfektion (nach Entlassung bzw. Verlegung des Patienten)

 

Wisch- oder Sprühdesinfektion?

Die "RKI Empfehlung Flächendesinfektion" legt eindeutig fest, dass die Wischdesinfektion zu bevorzugen ist. Damit das Flächendesinfektionsmittel wirken kann, muss es an der entsprechenden Stelle aufgetragen werden. Durch das Wischen gelingt eine vollständige Benetzung der zu desinfizierenden Flächen und obendrein können leichtere Verschmutzungen „in einem Wisch“ entfernt werden. Bei der Sprühdesinfektion dagegen verbleiben bei zu geringem oder zu hohem Abstand des Sprühkopfes zur Desinfektionsfläche Luftinseln, an die das Flächendesinfektionsmittel nicht gelangt. Abgesehen davon Entstehen bei der Durchführung der Flächendesinfektion durch Sprühen Aerosole (Sprühnebel), die vom Anwender eingeatmet werden und zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen können.Sprühen ist nur dann eine sinnvolle Alternative, wenn die Fläche nicht durch Wischen erreicht werden kann.

Drei Grundregeln bei der Anleitung zur Flächendesinfektion

Folgende Grundregeln sind für die Wirksamkeit der Flächendesinfektion und zur Aufrechterhaltung des Infektionsschutzes unabdingbar. Wird bei der Durchführung der Flächendesinfektion auch nur eine Regel nicht beachtet, ist die gesamte Desinfektion unwirksam.

  1. Flächendesinfektionsmittel wirken nur dort, wo sie hingelangen: Die zu desinfizierenden Flächen müssen vollständig mit dem Flächendesinfektionsmittel benetzt werden – wobei „benetzt“ hier gerade ein falsches Bild suggeriert, denn dieses Netz darf keine Maschen haben. Grobe Verschmutzungen können verhindern, dass das Flächendesinfektionsmittel flächendeckend aufgetragen wird, und sollten vor der Desinfektion durch die Reinigung beseitigt werden.
  2. Flächendesinfektionsmittel wirken erst nach Einhaltung der Einwirkzeit: Flächendesinfektionsmittel benötigen eine gewisse Zeit, um Mikroorganismen abzutöten bzw. zu inaktivieren. Die jeweiligen Einwirkzeiten sind auf dem Etikett angegeben. Müssen Flächen gemäß "RKI Empfehlung Flächendesinfektion" nach der Behandlung abgewischt werden (z. B. Im Lebensmittelbereich) darf dies erst nach Ablauf der Einwirkzeit geschehen, um das Flächendesinfektionsmittel nicht vor Entfaltung der Wirksamkeit zu entfernen.
  3. Nur richtig dosierte Flächendesinfektionsmittel können wirken: Flächendesinfektionsmittel werden in Konzentrate und gebrauchsfertige Lösungen unterschieden. Die Anleitung zur Flächendesinfektion (teilweise auch auf dem Etikett) gibt vor, in welchem Verhältnis das Flächendesinfektionsmittel zu verdünnen ist. Wer hier spart, spielt mit der Gesundheit der Schutzbefohlenen, denn zu schwach dosierte Flächendesinfektionsmittel töten nicht alle Keime ab. Eine Überdosierung führt womöglich zu Schmierfilmen und Materialunverträglichkeiten und ist ebenso zu vermeiden. Flächendesinfektionsmittel richtig dosieren:
    • Die genauen Dosierangaben sind dem Produktetikett bzw. dem Dosierplan zu entnehmen.
    • Zuerst wird der Mischbehälter (Eimer, Instrumentenwanne) bis zur benötigten Marge mit klarem Wasser gefüllt.
    • Die erforderliche Menge des Desinfektionsmittels wird mithilfe einer Dosierhilfe (Dosierflasche, Dosierkopf) abgemessen.
    • Das abgemessene Flächendesinfektionsmittel (Konzentrat) wird in den Behälter gegeben und vermengt.

 

RKI Empfehlung Flächendesinfektion

Die "RKI Empfehlung Flächendesinfektion" ist ein Standardwerk für Kliniken, Pflegeeinrichtungen und andere hygienisch sensible Bereiche. Eine Zusammenfassung der elf-seitigen RKI Empfehlung Flächendesinfektion würde den Rahmen dieses Artikels eindeutig sprengen. Damit Sie sich ein ungefähres Bild des Inhalts der "RKI Empfehlung Flächendesinfektion" machen können, finden Sie nachfolgend die einzelnen Abschnittsüberschriften der Richtlinie für die Durchführung der Flächendesinfektion:

  1. Einleitung
  2. Grundlagen
    1. Risikobewertung
    2. Übertragung von Mikroorganismen vom unbelebten Umfeld auf Patienten und Personal
    3. Reinigung und Desinfektion
  3. Reinigung und Desinfektion in unterschiedlichen Bereichen
    1. Einteilung nach Risikobereichen
    2. Häufigkeit von Reinigung bzw. Desinfektion in unterschiedlichen Bereichen
  4. Grundlegende Anforderungen an Reinigungs- und Desinfektionsverfahren
    1. Verhinderung der Keimverbreitung durch Reinigungs- und Desinfektionslösungen, -geräte, -utensilien, Tücher und Wischbezüge
    2. Prüfung der Wirksamkeit
    3. Vermeidung der Selektion von Krankheitserregern
    4. Konzentrations-Zeit-Relationen
    5. Desinfektionsmitteldosierung
    6. Desinfektionsmittelresistenz
    7. Schutz vor Nebenwirkungen durch Reinigungs- und Desinfektionsmittel
    8. Umweltverträglichkeit
  5. Betrieblich-organisatorische Anforderungen
    1. Personelle Voraussetzungen und Schulungen
    2. Hygieneplan
    3. Verfügbarkeit und Einsatzbereitschaft von Reinigungspersonal in Risikobereichen
    4. Durchführung von Flächendesinfektionsmaßnahmen
  6. Baulich-funktionelle AnforderungenQualitätssicherung
    1. Beschaffenheit von Oberflächen im Hinblick auf Reinigung und Desinfektion
    2. Anforderungen an Räume für die Durchführung der Aufbereitung und Aufbewahrung von Reinigungs- und Desinfektionstüchern
  7. Literatur

 

Flächendesinfektionsmittel

Im klinischen Alltag kommen hauptsächlich drei Vertreter der Flächendesinfektionsmittel zum Einsatz. Sie unterscheiden sich sowohl in der Verwendung, der chemischen Zusammensetzung und der damit verbundenen Einwirkzeit. Sollen sie nach einer Alternative für bisherige Flächendesinfektionsmittel Ausschau halten, sollten sie bedenken, dass einige Flächendesinfektionsmittel nicht für alle Materialien geeignet sind.

Materialunverträglichkeiten mit Desinfektionsmitteln

Hinweise zu Materialunverträglichkeiten finden Sie auf dem Etikett oder den Produktdatenblättern des Herstellers. Plexiglas sollte beispielsweise nicht mit alkoholhaltigem Flächendesinfektionsmittel behandelt werden, da es auf Dauer trübe oder rissig wird. Auch lackierte Flächen und beschichtete Böden sollten mit einem alkoholfreien Flächendesinfektionsmittel behandelt werden. Linoleum und Aluminium sind etwas resistenter, sollten aber dennoch nicht mit hoch-alkoholischen Lösungen in Verbindung gebracht werden. Zu gelben Verfärbungen kann es auf Kunststoffen kommen, wenn sie über einen längeren Zeitraum mit einem aldehydhaltigen Flächendesinfektionsmittel behandelt werden. Beim Vermischen von Flächendesinfektionsmittel mit einem Reinigungsmittel wird die Wirksamkeit reduziert und es entstehen ebenfalls Flecken oder Schmierfilme. Im Zweifelsfall sollten Sie neue Flächendesinfektionsmittel an einer unauffälligen Stelle ausprobieren, bevor Sie damit komplette Böden und Geräte behandeln.

Konzentrate für die Wischdesinfektion

Für die Wischdesinfektion großer Flächen (Oberflächen, Fußböden) eignen sich insbesondere konzentrierte Flächendesinfektionsmittel, die nach obigem Verfahren zu einer gebrauchsfertigen Lösung verdünnt werden. Auch hier steht auf dem Produktetikett die Anleitung zur Flächendesinfektion, und in welchem Mischungsverhältnis das Konzentrat zu verdünnen ist. Diese Angaben sind kein Ratschlag, sondern eine einzuhaltende Anweisung. Mischen sie zu große Mengen, ist das angesetzte Flächendesinfektionsmittel etwa einen Tag haltbar. Überschreiten Sie diese Frist, ist die vollumfängliche Wirkung nicht mehr gewährleistet und das Flächendesinfektionsmittel bzw. die Verdünnung muss entsorgt werden. Einige Desinfektionsmittel zeichnen sich durch eine zusätzlich reinigende Eigenschaft aus. Bei der Durchführung der Flächendesinfektion kann mit diesen Konzentraten die vorausgehende Reinigung bei leichten Verschmutzungen vernachlässigt werden.

Alkoholische Schnelldesinfektion

Für kleine Flächen und Zeitdruck eignen sich alkoholische Schnelldesinfektionsmittel, sofern vorab die Materialverträglichkeit festgestellt wurde. Im Normalfall sind diese Flächendesinfektionsmittel bereits gebrauchsfertig gemischt und eignen sich somit insbesondere für unterwegs (Rettungsdienst, ambulante Pflege, etc.). Achten Sie beim Einsatz dieser Art Flächendesinfektionsmittel darauf, dass Sie ausreichenden Abstand zu Zündquellen (brennende Kerzen, eingeschaltete elektrische Geräte, etc.) halten.

Desinfektionstücher

Desinfektionstücher sind ebenfalls für eine Durchführung der Flächendesinfektion in kleinerem Rahmen geeignet. Die Tücher sind bereist getränkt in einem praktischen Spender erhältlich und können von Klinikpersonal auf den Rollwagen mitgenommen werden.